Beim Scheibenschlagen im Vinschgau handelt es sich um einen uralten Fruchtbarkeitsbrauch mit langer Tradition, welcher in Taufers im Münstertal und in verschiedenen anderen Orten von Schlanders bis Mals statt findet.

Jedes Jahr am ersten Sonntag in der Fastenzeit – heuer am 13.März 2011 – sind prähistorische Siedlungsplätze die Schauplätze dieses Ereignisses und man nennt im Vinschgau diesen Tag den „Scheibenschlogsunnta“ oder „Karsunnta“.

Bereits einige Tage vor dem Scheibenschlagen sind die Akteure damit beschäftigt die Scheiben, meist aus Zirbel-, Erlen- oder Fichtenholz von rund 20cm Durchmesser in ca. 2cm dicke Scheiben zu sägen und diese in der Mitte mit einem Loch zu versehen. Oftmals werden die Scheiben kunstvoll bemalt und teilweise mit Ornamenten und Zeichen verziert. Diese nennt man dann die „Karsunntascheiben“.

Auf einer 2-3 Meter langen Haselrute werden die Scheiben in dem dafür hergerichteten Feuerplatz bei beginnender Dunkelheit zum Glühen gebracht. Sobald die Scheibe richtig glüht, wird diese in Verbindung mit von alters her überlieferten Sprüchen ins Tal geschleudert und einer Person gewidmet. Ist die Scheibe schön abgesprungen und „gut gegangen“, dann bringt das dem Glauben nach Glück.

Unsere Vorfahren sahen in diesen brennenden Scheiben die Sonne mit ihrer fruchtbringenden Wirkung. Das Scheibenschlagen im Vinschgau sollte die Rückkehr der Sonne begrüßen, den Winter vertreiben und vor Unheil bewahren.

Das Entzünden der sogenannten „Larmstange“ oder der „Hex“  bilden den Höhepunkt des Scheibenschlagens im Vinschgau. Es ist dies eine hohe, strohumwickelte Stange mit Kreuzverbindungen, in denen Volkskundler männliche und weibliche Symbole zu erkennen glauben. Oft sind die Querbalken des Kreuzes nach unten hin zum Schaft zu einem Dreieck verbunden, dessen Deutung als uraltes Symbol für Weiblichkeit nicht schwer fällt. Ein schön gleichmäßig loderndes Kreuz gilt für Scheibenschlager im Vinschgau als Erfolgserlebnis und verspricht ein ertragreiches Jahr.

Die Hex wird seit dem Aufstellen bis hin zum Abbrennen bewacht. Es gilt als besonders große Blamage, wenn in einem Dorf die „Hex“ von einem Jungen aus einer anderen Ortschaft frühzeitig in Brand gesteckt wird.